Freitag, 31. Mai 2019

Rezension

Br. Raphael Grolimund, Kapuziner, hat zur CD "Z'Buech vom Läbä" eine Rezension geschrieben, die ich gerne hier mit euch teile:






Z’Buech vom Läbä 

Die CD von Sr. Lea enthält zwölf  Mundartlieder. Alle Texte und Melodien hat die junge Ordensfrau selber geschaffen. Sie zeichnet auch für die gesangliche Ausführung. Bei der Begleitung und Produktion haben Brigitte Grab-Bürgler, Markus Grab und Nadja Heinzer mitgewirkt.

Zu Text und Inhalt der Lieder
Die Texte sind im Illgauer Dialekt formuliert, lebensnah, frisch und munter. Sie befassen sich mit den Fragen des Lebens. Zur Sprache kommen bestimmte Lebensphasen, Erfahrungen im Lauf des Lebens, Leid und Freud, Ohnmacht und Hilfe, Zweifel und Vertrauen. Alles ist in einen größeren Zusammenhang hineingestellt und ist mit einem tief verwurzelten christlichen Glauben verbunden.
Heutzutage hat man oft den Eindruck, dass religiöse Äußerungen in der Gesellschaft tabu sind. Und dennoch spitzen alle die Ohren, wenn zum Beispiel in der Eisenbahn, in der eiserne Schweigsamkeit herrscht, plötzlich jemand vom Papst oder sonst von etwas Katholischem zu sprechen beginnt. Der das tut, setzt sich aus und gibt sich eine Blöße. Es kann sein, dass man ihn für naiv hält. Und jetzt tritt eine Ordensschwester mit religiös empfundenen Mundartliedern an die Öffentlichkeit und gibt sogar eine CD heraus. Ich für meinen Teil empfinde das ganz und gar nicht als naiv, sondern als keck und erfrischend.
Das erste Lied auf der CD hat Sr. Lea zur Geburt ihrer Nichte Chantal geschrieben. Der Name des neugeborenen Kindes ist sozusagen zum Programm des Tonträgers geworden. Hier wird fürs Leben gern gesungen. Der Gesang setzt mit dem Lied auf den Anfang des Lebens ein: „Äs chliises Härz fahd afä schlah“. Mit dem Beginn der Lebensreise befassen sich auch zwei weitere Lieder.
Dem ersten Lied folgt ein Danklied an den Schöpfer des Lebens: „Ich sägdr dankä, für all das wo du schänksch, ich sägdr dankä, dass du mis Läbä länksch!“  Der gesungene Dank ist der starke Ausdruck eines noch fraglosen und unbelasteten Glaubens. Der Thematik des Glaubens, von Liebe beseelt, widmen sich weitere Nummern, wie z. B. „Oh Gott, ich cha nur stuunä“.
In den Nummern Vier, Acht und Zehn zeigt sich der Glaube angefochten. Es werden Fragen gestellt: „Wo isch dr Wäg wo mich ad Sunnä bringt, wo isch der Vogel wo sis Lied für mich singt? Wo isch diä Hand wo mich füert wo mich treid, wo isch diä Stimm womer tröschtendi Wort seid?“ Die Fragen werden fortgesetzt: „Wo isch dr Schlüssel wo diä gschlossnä Türä öffnet, ... Wo isch der Fadä, wo all mini Wundä neiht, wo isch dr Troscht wo alles Verletztä heilt?“ „Zwifel und Ängscht“ steigen bedrängend auf. Die Texterin bekennt offen: „Mängisch streckti gärä dr Chopf tüüf i Sand... Wett brüelä, stampfä, trotzä, ja wenäs chliises Chind.“ Nach und nach beruhigen sich die Emotionen. Es kommt die Zeit, da sich aus der Tiefe das Urvertrauen wieder meldet, allen schmerzvollen Erfahrungen zum Trotz: „Doch da chlopfsch du bi mier aa ... Z’Vertruä i dich das wachst, ich gspüres tüüf i mier und ich sägdr hiä und jetzt: Ich gah mi Wäg mit dier.“
Zwei Lieder thematisieren das Alter und das Lebensende: „Wäni einisch alt bi, wetti chönnä z’friedä sii, ... Jedä Tag vo mim Läbä wotti dich, Herr, bimer ha, au dä wäni einisch alt bi und gar mängi Runzlä ha.“ (Nummer 3) Das tönt versöhnt und abgeklärt. Aber dann wird dazwischen geworfen: „simmer einisch ehrlich, weis ich nid wes mier z’muet wird sii i mim Härz.“ Aber vertrauend heisst es weiter: „Wänns Ziit isch zum gah, ja dä wirdi still und wartä uf dich.“ (Nummer 12)

Sprach-Stil
Die Mundart verleiht den Liedern Unmittelbarkeit und Spontaneität. Die Sängerin richtet sich öfters ganz direkt an jemanden und spricht per Du. So geschieht es z. B. in der Nummer Elf: „Du chlinä Mänsch, du stahsch am Afang vonrä grossä Reis.“ Stets sticht in den Texten die religiöse Prägung hervor. Das direkte Ansprechen macht vor Gott keine Ausnahme. Erst recht und gerade da wendet sich die Beterin ganz persönlich unvermittelt an Gott. Wer diese persönliche Gebetsart kennt, kann gut mitgehen. Wer dieses begegnende Beten noch nicht gelernt oder wieder verlernt hat, tut sich wahrscheinlich schwer mit den Texten. Die Gebets-Sprache der Lieder steht ganz in der herkömmlichen christlichen Gebets-Tradition. Und sie ist voll Emotionen und persönlich ergriffen. Das auffälligste Beispiel begegnet einem in der Nummer Sechs „Füür und Flammä“. Dort stehen die Worte: „Du Gott, bisch für mich sonäs Füür, bischmer nöch, ohni das ich mier d’Finger verbränn. Du umhüllsch mich mid diner zartä Wärmi, drum rüef ich, bises jedä ghört... Ich bi Füür und Flammä für dich! Füür und Flammä für dich! Setz mis Härz in Brand, dases hell wird, i mier innä, um mich umä und uf dr ganzä Wält.“ Durchs Band hindurch ist die Sprache lebensnah und anschaulich und durch passende Bilder belebt.

Die musikalische Form
Wo lassen sich die Lieder musikalisch einordnen? Weil es sich um religiöse Lieder handelt, die von einer Ordensschwester gesungen werden, assoziiert man vielleicht „Soeur Sourire“. Doch der Stil von Sr. Lea Heinzer ist anders. Mich erinnert er spontan an die Musik des Liedermachers Peter Reber, der seit 1968 bis heute in einem romantisch-emotionalen und populären Stil komponiert. Den Stil von Sr. Lea würde ich am liebsten „Christian Folk“ – besser zu Deutsch „christlicher Volkston“ – nennen. Das Lied, das mir musikalisch besonders gefällt, ist die Nummer Zehn „Mängisch streckti gärä dr Chopf tüüf i Sand.“ Da spricht mich die Steigerung in der Begleitung an, beginnend mit „a capella“ und dann mit dem einsetzenden Instrumentarium.

Musikalische Ausführung
Man spürt, dass auf dieser CD mit Spaß und Freude unbeschwert musiziert wird. Die Leistung der Sängerin Sr. Lea ist beachtlich und lässt mich staunen. Ihre Stimme hat einen jugendlichen hellen Klang. Die Intonation ist beachtlich rein und die Diktion vorzüglich. Ich finde  die Gestaltung der einzelnen Nummern abwechslungsreich. Entsprechend ist das Begleitwerk mit traditionellen Instrumenten vielseitig. Die rhythmischen Elemente wirken belebend.

Wo kann die CD zum Einsatz kommen?
Natürlich kann man die Lieder ganz privat hören. Ich kann mir aber auch gut vorstellen, dass sich einzelne Nummern zur Einstimmung in eine religiöse Besinnung eignen, je nach Thema und je nach Gruppe. Von einem Rabbiner in Frankreich, dessen Name ich leider nicht mehr ausmachen kann, kommt mir abschließend noch ein Gedanke in den Sinn, den ich unbedingt anbringen will: „La musique est le meilleur moyen de se rapprocher de Dieu. Amen.“ „Die Musik ist das beste Mittel, um Gott näher zu kommen. Amen.“ In diesem Sinn wünsche ich der CD ein gutes Ankommen bei den Hörerinnen und Hörern und eine gelingende Vermittlung des Näherkommens.



Br. Raphael Grolimund, Kapuziner

Samstag, 18. Mai 2019

Das ganz besondere Gebet


Ende April war ich am alljährlichen Weiterbildungskurs der Schweizer Kapuzinerinnen. In den vier Tagen waren wir mit dem Thema: „Liturgie und Leben sind EINS“ unterwegs. Zu Beginn der Kursarbeit wurden wir aufgefordert, uns über folgende Frage Gedanken zu machen: „Was für ein Gottesdienst hat mich ganz besonders berührt?“

Ich machte mir sehr gerne Gedanken darüber, denn mir fiel so einiges, schönes ein und ich schwelgte einen Moment lang in angenehmen Erinnerungen.

Dann fiel mir noch etwas ein. Es war kein Gottesdienst und es war keine schöne Situation, aber doch tief berührend. Ich möchte euch davon erzählen. Eine persönliche Geschichte aus meinem Leben, aus dem Leben meiner Familie…



Es war der 18. Mai 2006, als es morgens um 4.30 Uhr an der Tür klingelte. Ein Polizist war da, der uns die Nachricht überbringen musste, dass mein Bruder schwer verunfallt ist. „Es sieht nicht gut aus“, hat er gesagt. Das Bein amputiert, die Hand zertrümmert und schwere Kopfverletzungen. Die Prognosen für ihn waren düster und die Überlebenschancen 50 zu 50…wenn überhaupt.

Das war ein harter Schlag für die ganze Familie. Meine Eltern fuhren am Morgen zu ihm in die Klinik und meine anderen beiden Geschwister und ich blieben zu Hause.

Am Mittag waren wir bei einer Tante und ihrer Familie zum Essen. Im Hintergrund lief das Radio, wo mehrmals vom verunfallten 22-jährigen berichtet wurde.

Am Küchentisch haben wir abgemacht, dass wir uns um 18.30 Uhr in der Lourdes Grotte treffen, zum gemeinsamen Rosenkranzgebet für unseren Bruder.



Und nun zu diesem besonderen Gebet, das mich auch heute, nach 13 Jahren noch ganz tief berührt und bewegt wenn ich daran denke.

Als meine beiden Geschwister und ich, um 18.30 Uhr in die Grotte kamen, war sie übervoll mit Leuten aus dem Dorf. Alle waren da, weil sie von diesem Unfall gehört haben. Alle waren da um für unseren Bruder zu beten. Wir waren sechs Personen am Küchentisch und ich konnte es kaum glauben, wie schnell sich das herumgesprochen hat und wie gross die Anteilnahme war. Es brannten viele viele Kerzen, es war ein Lichtermeer.

Die Situation war traurig und ungewiss. Aber wir wurden als Familie getragen von der Gemeinschaft eines ganzen Dorfes.



Ja, das ist der berührendste Gottesdienst, das berührendste Gebet, das ich erlebt habe. Liturgie und Leben sind EINS, das habe ich selten so intensiv erfahren.



Noch heute, wird in dieser Lourdes Grotte täglich den Rosenkranz gebet, seit diesem 18. Mai vor 13 Jahren. Es wird gebetet für aktuelle Anliegen der Welt oder des privaten Umkreises.

Und ich bin von Herzen dankbar, dass mein Bruder es geschafft hat. Dass er trotz seiner körperlichen Einschränkung ein selbständiges Leben führen kann.



Das Gebet vermag nicht alle Wunden zu heilen. Aber es trägt in guten, wie auch in schweren Zeiten. Das ist meine Erfahrung.



Ich wünsche euch einen guten Sonntag!



Sr. Lea

Samstag, 11. Mai 2019

Gitarre vs. Velo


Was ist der Unterschied zwischen dem Gitarrenakkord „F-Dur“ und einem Velo?

Ganz einfach: Den F-Dur Akkord möchte ich zum Klingen bringen und mein Velo möchte ich zum Schweigen bringen.


Seit ein paar Tagen bemühe ich mich endlich den Gitarrengriff „F“ zu lernen. Ich spiele inzwischen seit über zehn Jahren, doch bisher habe ich jegliche Barré-Griffe gemieden und umgangen. Wieso? Weil ich meine Hand zu sehr verrenken musste und das Gefühl hatte, mit meinen kurzen Fingern würde ich das sowieso nicht hinkriegen. Da mich jetzt aber eine grosse Motivationswelle ergriffen hat, übe ich nun allen Blasen und allem Muskelkater zum Trotz die Barré-Griffe (…und beginne mit „F“). Und wer hätte das gedacht, ich habe sogar Spass daran! Also weniger am Muskelkater und den Blasen, aber am üben. Ich habe nämlich selten Spass am üben. Aber da ich sehe/höre, was mir diese Akkorde für musikalische Welten eröffnen und sich das „F“ inzwischen sogar schon ganz ähnlich wie ein „F“ anhört, bin ich sehr motiviert dran zu bleiben.


Und dann ist da eben noch mein Velo. Ein altes, von Wind und Wetter gezeichnetes, violettes Tigra-Velo. Man hört mich schon auf einen Kilometer Entfernung wenn ich damit unterwegs bin. Denn jedes Mal wenn ich in die Pedale trete, mach es „quiiick…quiiick…quiiick…“ und ehrlich gesagt, nervt das schon nach ziemlich kurzer Zeit. So dachte ich heute, wenn ich meiner rostigen Velokette etwas Öl gebe, wird sie sich bestimmt wieder beruhigen. Leider war das aber einen Schuss ins Blaue und es hat nicht funktioniert. Das lässt mich vermuten, dass das Problem nicht bei der Kette liegt. Für mich, die keine Ahnung hat von Velos, wäre dies die einfachste Lösung gewesen. So quietsche ich halt weiterhin ein bisschen rum und hoffe, dass dafür die Barré-Griffe ihren quietschenden-Charakter langsam aber sicher ablegen können 😊


Drückt mir die Daumen!

Sr. Lea

Samstag, 23. März 2019

Radio Maria



                                                                                               ©Radio Maria


Es ist nun inzwischen zwar auch schon eine Weile her, aber ich möchte den Beitrag trotzdem noch mit euch BlogleserInnen teilen.

Am 01. März 2019 durfte ich bei der Sendung Talk zum Tag ein Interview geben über meine CD "Z'Buech vom Läbä". Das hat  mich sehr gefreut. Das Interview könnt ihr euch oben im Video anhören.


Mittwoch, 20. März 2019

Josefstag - Namenstag


Gestern, am 19. März, war der Josefstag. Für uns, hier im Kanton Nidwalden ein Feiertag. Zugleich feierten wir im Kloster auch den Namenstag von unserer Sr. Josefa.

Der Namenstag wird bei uns mehr gefeiert als der Geburtstag. Am Vorabend kommt unser Namenstagskorb ins Spiel. Der Korb ist gefüllt mit Schokoladen, „Guetzli“, Dörrfrüchten, etc. und das „Namenstagskind“, darf sich zwei Sachen aussuchen. Dazu ein farbiger Briefumschlag, der dieses Jahr ein kleiner Schutzengel-Handschmeichler aus Bronze enthält.



Ich selber werde öfters gefragt, ob „Lea“ mein Taufname sei oder mein Klostername. Es ist beides. Ich wurde auf den Namen „Lea“ getauft und habe ihn im Kloster behalten. Ich mag meinen Namen und zugleich verbindet er mich mit meinem Grossvater. Meine Mutter sagte ihm: „Wenn es ein Mädchen wird, dann wird sie „Lea“ heissen.“…ihm gefiel dieser Name sehr gut. Meinen Grossvater habe ich aber leider nicht mehr erlebt. Er starb, kurz bevor ich geboren wurde. So ist mein Name zu einer Art Berührungspunkt mit meinem Grossvater geworden und deshalb ist er mir auch so wichtig.



Heute habe ich Sr. Josefa gefragt wie das damals bei ihr war. Ich wusste bereits, dass „Josefa“ nicht ihr Taufname ist. Aber konnte sie sich den Namen selber aussuchen? Oder wurde er ihr zugeteilt? Das wollte ich gerne wissen. Also habe ich heute Morgen bei ihr angeklopft und sie erzählte mir folgendes:

Sie wurde von den Oberen gefragt, ob sie einen Namenswunsch hätte. Da ihr der Hl. Josef lieb ist, wünschte sie sich, Sr. Josefa zu heissen. Ihr Wunsch wurde berücksichtigt und so bekam sie ihren Klosternamen. Sie war die 60. Schwester in unserer Gemeinschaft und da waren andere, z.T. schönere Namen bereits vergeben, erzählte mir Sr. Josefa. Aber sie sei glücklich mit ihrem jetzigen Namen und sei schon bald 79 Jahre im Kloster.

Ich fand es interessant, von Sr. Josefa zu hören, wie es damals war.

Ich selber, hätte bei meiner Einkleidung meinen Namen ändern können. Aber ich bin dankbar, dass noch niemand in der Gemeinschaft den Namen „Lea“ trägt und ich weiterhin mit diesem Namen unterwegs sein kann.

Und so darf ich am Freitag meinen Namenstag feiern. Da ist der Gedenktag der Hl. Lea von Rom.



Frühlingshafte Grüsse,

Sr. Lea


Der Namenstagskorb

Sonntag, 3. Februar 2019

Stiller Sonntag

Heute ist der erste Sonntag im Monat und hier bei uns im Kloster bedeutet das, wir haben einen stillen Sonntag. Es ist ruhig im Haus und es ist zwar nicht so, dass wir kein Wort miteinander sprechen, aber wir begrenzen uns auf das Nötigste. Der stille Sonntag gibt uns die Möglichkeit, uns einen Tag lang zurück zu ziehen, sich selber und Gott, Raum zu geben.

Der Tag beginnt wie jeder Sonntag um 7.30 Uhr mit der Laudes, dem Morgengebet. Anschliessend frühstücken wir zusammen, schweigen aber dabei.

Um 9.30 Uhr feiern wir wie jeden Sonntag den Gottesdienst in der Klosterkirche.

Von 12.00 Uhr bis 12.30 Uhr ist ein Buffet bereit, wo sich alle Schwestern bedienen. Ich gehöre zu den wenigen Schwestern die im Refektorium, dem Speisesaal essen. Aber jede kann für sich entscheiden wo sie essen möchte.

Der nächste gemeinsame „Programmpunkt“ ist dann die Vesper, das Abendgebet, um 17.30 Uhr. Bis dahin hat man einfach… Zeit.


Was meine Mitschwestern gerade machen weiss ich nicht. Aber ich kann etwas von mir erzählen…

Ich habe es mir im Raum gemütlich gemacht, den wir Noviziat nennen. Der Raum befindet sich im obersten Stock. Durch die zwei Fenster fällt viel Licht in den Raum (was ich ganz besonders schätze) und bietet mir eine schöne Aussicht auf unseren Klostergarten. Wobei ich im Moment gar nicht so viel sehe. Durch den starken Schneefall und den Nebel sehe ich vorwiegend weiss.

Mein Blick vom "Noviziat"
Ich habe mich bequem angezogen und sitze, eingemummelt in eine Wolldecke, auf meinem Sitzsack, ein Mitbringsel aus meiner vorklösterlichen Zeit. Neben mir steht eine Tasse mit warmem Kräutertee und einen Teller mit Paprikachips, die ich als Dessert von Buffet habe mitlaufen lassen. Und was tue ich? Blog schreiben. Das ist jedoch nicht gerade meine übliche Beschäftigung am stillen Sonntag. Häufig nutze ich den Tag um zu lesen, zu schlafen oder für einen ausgiebigen Spaziergang. Aber heute zieht es mich nicht so nach draussen, denn ich finde es hier drin schon eher kühl…ich habe vorsorglich die Kapuze von meinem Kapuzenpulli über den Kopf gezogen, damit meine Ohren schön warm bleiben J


Nachher möchte ich mir noch eine DVD anschauen, diese liegt ebenfalls neben mir bereit. „Habemus feminas“ heisst der Film. Auf der Rückseite der DVD steht: „2016 pilgert eine Gruppe von Frauen und Männern 1200 km zu Fuss von St. Gallen nach Rom, um sich für die Gleichberechtigung von Frau und Mann in der katholischen Kirche einzusetzen. Der Dokumentarfilm zeigt das Unterwegssein einer grossen, vornehmlich aus Frauen bestehenden Pilgergruppe auf ihrem Weg nach Rom…“ Da ich das Projekt „Kirche mit den Frauen“ mitverfolgt habe, interessiert es mich, noch einen filmerischen Einblick in die Pilgerreise zu bekommen.


Und so setze ich hier für heute einen (stillen) Punkt und verabschiede mich bis zum nächsten Post!

Sr. Lea

Freitag, 14. Dezember 2018

Weihnachtsbrief von Sr. Sabine


„Morgenstern“

Gott, du schöner Morgenstern…

Diese Liedzeile stieg in mir auf, als ich an einem Morgen im Oktober aus meinem Zimmerfenster schaute.
Über dem Buochserhorn leuchtete ein „Stern“. Wie wunderbar: Ein Stern leuchtet über dem Berg, den ich jeden Tag vor Augen habe, sozusagen als Gruss Gottes in den Tag.
Gott, der „schöne Morgenstern“, leuchtet über dem beginnenden Tag.

Jetzt, in der Zeit vor Weihnachten, denke ich beim Nachsinnen auch an den Stern von Bethlehem, von dem die Evangelien erzählen. Der Stern geht auf über der Höhle, in der Jesus geboren wurde.
Der Stern leuchtet über dem Abseits, da, wo Gott hautnah Menschsein, Kindsein erlebt. Das berührt mich.

Ein Stern geht auf… in Bethlehem, über dem Buochserhorn, über dem Ort, an dem ich lebe, über vielen Menschenorten und erzählt davon, dass jeder Ort „Ort Gottes“ ist. Dass er mich da erwartet.

Da fällt mir auch die Erfahrung des Mose in der Steppe ein. Der Dornbusch brennt und Mose geht näher, um genau schauen zu können, was da geschieht. Gott ruft ihm aus dem Dornbusch zu: „Leg deine Schuhe ab, der Ort wo du stehst, ist heiliger Boden“.
Mose staunt.
Ich staune.
Ich staune über einen Gott, der Zeichen sprechen lässt. Der sagt: „Wo du bist, ist heiliger Boden. Da begegne ich dir. Da, wo der Stern aufgeht, erwarte ich dich.“

Das hat für mich viel mit Weihnachten zu tun. Ich bin eingeladen zu vertrauen, dass da, wo ich bin, Gott da ist. Hautnah.

(Text: Sr. Sabine Lustenberger)

                                                                         * * *



Weihnachtsbrief 2018 Stans, Advent 2018

Liebe Verwandte und Bekannte, liebe Freundinnen und Freunde unseres Klosters

Der Advent ist da, die Zeit des Wartens auf Weihnachten. Für viele Menschen ist der Advent eine Zeit des Nachsinnens, des Rückblicks auf das vergangene Jahr.
Auch ich möchte zurück blicken und Sie an unserem Jahr 2018 Anteil nehmen lassen.

Wir begaben uns am 29. Januar nachmittags in den St. Klara-Rain zum Mieter- und Mieterinnenapero. Das jährliche Treffen mit Menschen, die in den vermieteten Räumen arbeiten, ist wertvoll und freudig. Der Austausch untereinander war lebendig, und wir wurden mit einem feinen Apero verwöhnt.

Am 30. Januar war die Nidwaldner Kantonsregierung bei uns eingeladen. Auch diese Treffen findet jährlich statt und bietet Gelegenheit zum Austausch und zum gegenseitigen Anteilnehmen. Auch der Humor hat immer Platz an diesen Begegnungen!

Am 28. Februar trafen wir uns zur Generalversammlung des Freundeskreises im Pfarreiheim Stans. Wir sind sehr dankbar, dass so viele Menschen uns wohlgesinnt sind und unser Sein und Wirken mittragen.
An der GV berichtete er Präsident Leo Odermatt von den verschiedenen Aktivitäten des Vereins. Untermalt wurde der Abend auch mit Musik und Gesang von Sr. Lea und Sr. Sabine

Der Kurs auf dem Mattli vom 15.-18. April stand im Zeichen der Föderation. Schwestern aus den meisten Kapuzinerinnenklöstern trafen sich zu Bildungs-tagen. Bruder Niklaus Kuster, Kapuziner, gestaltete die Tage lebendig und inspirierend für ein franziskanisches Leben nach den evangelischen Räten.

Vom 30. April – 3. Mai nahmen Sr. Agnes und Sr. Sabine am Kurs für die Frau Mütter und Vikarinnen auf dem Mattli teil. Sr. Veronika Mang aus dem Kloster Bonlanden, D, führte durch die Tage zum Thema „Geistlich leiten – geistliche Prozesse begleiten“. Wir fühlten uns glücklich, eine so kompetente Referentin und überzeugte Franziskanerin zu diesem zentralen Thema für unsere Gemeinschaften zu erfahren.

Am 24.Mai nahmen Schwestern am Begegnungstag der Föderation im Kloster Altstätten teil. Schwestern der Kapuzinerinnenklöster treffen sich einmal im Jahr einen Tag, feiern Gottesdienst, tauschen aus und pflegen ihre Verbundenheit. Sr. Salesia, Sr. Mirjam und Sr. Sabine vertraten unsere Gemeinschaft an diesem Tag.

Anfang Juni konnte Sr. Bernarda ins Alterszentrum St. Anna in Luzern einziehen. Ihre Pflegebedürftigkeit hatte sehr zugenommen. Bei den St. Anna Schwestern wird sie sehr liebevoll und aufmerksam gepflegt, und sie fühlt sich wohl dort. Sr. Bernarda freut sich über jeden Besuch – ist aber zufrieden an ihrem neuen Lebensort.

Auch Ende Juni galt es für uns, Abschied zu nehmen. Am 30. Juni verstarb unsere liebe Sr. Maria-Josefa Amstutz, drei Monate nach ihrem 95. Geburtstag. Nach einer längeren Zeit des Angewiesenseins auf Pflege starb sie ruhig und friedlich bei uns im Kloster.
Wir vermissen ihren Humor und ihre Liebe – aber wir gönnen ihr den Frieden im Himmel!

Am Tag der hl. Klara, am 11. August, feierten Menschen mit uns unsere Klosterpatronin mit einem feierlichen Gottesdienst und anschliessendem Apero im Kloster.

Durch die Exerzitien vom 6.-13. Oktober begleitete uns wieder Sr. Veronika Mang aus Bonlanden. Sie gestaltete die Tage zum Thema „Schaue hindurch – lausche hindurch… Impulse zu Klara von Assisi und Hildegard von Bingen“.
Diese Tage taten uns gut an Leib und Seele, und mit Sr. Veronika hatten wir eine einfühlsame Begleiterin an unserer Seite.

Auch Musik gehörte in unser Kloster- und Freundeskreisjahr! Am 1. Juli fand ein Konzert statt in unserer Klosterkirche mit Musik aus der Barockzeit.
Rudolf Zemp, Flöte, Sr. Sabine, Flöte, Susanne Odermatt, Flöte und Spinett, und Judith Gander-Brem, Orgel und Spinett, musizierten mit grosser Freude.

Weiter geht’s mit dem musikalischen Akzent: Ende August ist die CD „Z‘ Buech vom Läbä“ erschienen, mit 12 von Sr. Lea komponieren Liedern. Viele Menschen freuen sich über diese CD und über die Art, wie Sr. Lea darin von „Leben und Glauben“ singt.

Bruder Niklaus Kuster stellte am 29. Oktober unsere Klosterpatronin, die heilige Klara von Assisi, in den Mittelpunkt seines Referates. Mit Bildern und in ausdrucksstarkem Erzählen wurde Klara zu einer faszinierenden und lebendigen Persönlichkeit, die ihren eigenen Weg in Beziehung zu Franziskus und seinen Brüdern gegangen ist. Sie nimmt uns mit in ihre tiefe und vertrauende Gottesbeziehung und in die Liebe zu ihren Mitmenschen.

Am Samstag, 17. November, beschenkte uns wieder das Vokalensemble Piu mosso und das Viola da Gamba Weinberg Consort mit ihrem Singen und Musizieren. Wir lauschten den Klängen und Rhythmen und waren berührt vom Engagement und von der Freude der SängerInnen und Musizierenden.

Wochenenden in der Stille, Offene Zeiten, Innehalten, Exerzitien im Alltag, Heimgruppenunterricht für Erstklässler und anderes mehr waren Gelegenheiten, mit Menschen in Kontakt zu sein und von unserer Freude an Gott etwas weiter zu geben.

Wir wurden wieder beschenkt mit tatkräftiger Hilfe aus dem Freundeskreis und von unsern Angestellten, dies in vielfältigen Bereichen unseres Gartens und unseres Haushaltes. Dafür sprechen wir allen Beteiligten unsern grossen Dank aus!
Unser Dank geht auch an die Kapuziner Mitbrüder, die regelmässig mit uns Gottesdienst feiern und an die verschiedenen Priester aus Nidwalden und weiter her.

…noch vieles gäbe es zu erzählen! Von Erlebnissen, Freuden, Sorge, Hoffnungen und vom Mitgehen Gottes.
Wir sind dankbar für das vergehende Jahr. Und gerne hoffen wir, dass wir Ihnen auch im neuen Jahr verbunden sein dürfen.

So wünschen wir Ihnen von Herzen ganz gesegnete Weihnachten und viel Segen im neuen Jahr.



Mit herzlichen Grüssen aus dem Kloster St. Klara



Sr. Sabine Lustenberger und alle Mitschwestern