Freitag, 28. September 2018

Bibel getanzt

Man kann einen Bibeltext lesen, man kann ihn sich anhören, man kann ihn meditieren…aber kann man ihn auch tanzen?
Ja, Mann/Frau kann das. Das habe ich am vergangenen Wochenende erfahren. Mein Muskelkater beweist, dass man sich dabei sogar richtig ins Zeug legen kann…oder vielleicht beweist er einfach, wie untrainiert ich im Tanzen geworden bin 😉
Bevor ich im Kloster war, habe ich leidenschaftlich gerne getanzt. Dies stand sogar ziemlich an oberster Stelle meiner Hobby-Liste. Hip-Hop, Jive, Rock’n’roll, Salsa, Cha cha cha...es war mir eigentlich fast egal was, ich mochte/mag alles. Wobei Jive und Cha cha cha noch heute zu meinen top Favoriten zählen.
Ich tanze noch immer sehr gerne und manchmal verschwinde ich am Abend mit Trainerhosen und Musik in die Turnhalle um zu tanzen. Aber so aktiv wie vor zehn Jahren bin ich nicht mehr. Und ja, manchmal kommt es vor, dass ich es ein wenig vermisse. Es gibt nicht viel was ich hier im Kloster vermisse, aber wenn es etwas gibt, dann ist es das Tanzen……und eine Katze – aber ich komme damit klar 

Jetzt aber zum Wochenende. Irgendwann, ich glaube es war Ende letztes Jahr, bekam ich per Post das Jahresprogramm 2018 vom Kloster Ilanz zugeschickt und ich habe mir die Angebote durchgeschaut. Weniger mit der Absicht einen Kurs zu besuchen, mehr aus Interesse was sie so anbieten. Und dann blieb ich beim Titel „Bibel getanzt“ hängen. Mein Interesse einen Kurs zu besuchen ist spontan um 90% angestiegen. Ich wusste, da möchte ich nach Möglichkeit mitmachen.

Zu meiner Freude liess es sich einrichten und ich fuhr am Freitag nach Ilanz. Ich hatte keine Ahnung was mich da genau erwartete, aber ich freute mich drauf.
Vorsorglich habe ich noch ein paar Bücher eingepackt, habe mir vorgestellt wie ich dort in den Pausen gemütlich auf dem Balkon, in einem Liegestuhl an der Sonne sitze und lese, neben mir eine Tasse Kaffee…herrlich. Meine Vorstellung blieb Vorstellung. Gelesen habe ich keine einzige Zeile. Ich habe getanzt…ist ja auch irgendwie logisch, war ja schliesslich ein Tanzwochenende. Und ich muss sagen, es gefiel mir sogar noch besser als Variante A – lesen kann ich zu Hause wieder.
Wir setzten uns mit der biblischen Geschichte des Zachäus auseinander. Und ich staunte, wie viele Tänze Sr. Monika aus dem Ärmel zückte, die zu dieser Geschichte passten und die sie uns mit ihrer tänzerischen Eleganz beibrachte. Es war kein Jive, auch kein Cha cha cha. Aber es waren Tänze die mich dem Bibeltext näher brachten. Die auszudrücken vermochten was man nicht in Worte fassen kann. Die mich in den Einklang mit mir selbst, mit meinem Körper brachten und mein Herz weiteten um der Geschichte des Zachäus darin Raum zu schaffen. Es hat mich sehr angesprochen und im wahrsten Sinne des Wortes; bewegt.

Wir waren eine Gruppe von 20 netten, tanzfreudigen Leuten und ich freue mich wirklich, dass ich an diesem Kurs dabei sein konnte. Es war gemütlich, lehrreich, lustig, tiefgründig – halt einfach schön.

Und jetzt verabschiede ich mich in den Garten, Baumnüsse auflesen…dazu ein anderes Mal mehr 😊

Liebe Grüsse
Sr. Lea

Mittwoch, 5. September 2018

CD Sr. Lea




© 2018 Die Waldstätter



„Z’Buech vom Läbä“ so heisst die neue CD, die ich vor zwei Wochen in der Produktionsfirma Adon abholen durfte. Es ist ein tolles Gefühl, das Endprodukt eines Projekts in den Händen halten zu dürfen, an dem man monatelang gearbeitet hat.
Anfang dieses Jahres, habe ich mit Nadja, Brigitte und Markus das Projekt „CD“ gestartet. Es war für mich sehr spannend und auch berührend, Schritt für Schritt erleben zu dürfen wie es sich entwickelt. Da standen ganz am Anfang die Lieder, die ich in den letzten Jahren komponiert habe. Jedes Lied erzählt seine eigene Geschichte, die ein Teil meines Lebens ist. Und da war auch die Frage: „Welche Lieder kommen auf die CD?“ Es standen ungefähr dreissig zur Auswahl. Für mich war aber klar, dass ich nur Lieder in Schweizerdeutsch aufnehme, da ich – im Gegensatz zu „früher“ – in Schweizerdeutsch schreibe und singe. Somit hat sich die Auswahl um genau die Hälfte eingegrenzt. Von den übriggebliebenen fünfzehn, sind dann nochmals drei weggefallen und so kam ich dann zu den zwölf Titel, die nun erschienen sind:

1. Z’Buech vom Läbä
2. Ich sägdr dankä
3. Wäni einisch alt bi
4. Chum hilfmer doch
5. Setz dis Sägel i Wind
6. Füür und Flammä
7. Ich cha nur stuunä
8. Dr Brief idr Fläschäposcht
9. Ich blibä bi dier
10. Mängisch
11. Mid ihm adr Sitä
12. Wänns Ziit isch zum gah


Mitte Januar 2018 habe ich alle Lieder, so wie ich sie für mich aufgenommen habe, in einen Dropbox-Ordner gestellt und für Brigitte und Markus freigegeben. Da begann ihre Arbeit…und sie leisteten grossartige Arbeit! Sie haben alle zwölf Lieder arrangiert. Haben die Instrumentalbegleitung gemacht und Playbacks erstellt, welche sie mir wieder per Dropbox zugestellt haben. „Dropböxli-Post“ hiess das jeweilige Stichwort, das mir Brigitte dann über Whats app zusteckte. Wenn ich mir dann nicht nullkommaplötzlich ihre neueste Arbeit anhören konnte, wurde ich ganz kribbelig und ungeduldig, weil es mich so sehr interessierte was die zwei zusammengestellt haben.

Weil ich einige Lieder für drei Stimmen komponiert habe, hat uns meine Schwester Nadja mit ihrer Stimme unterstützt. So war unser Team komplett: Ich sang die erste Stimme, Brigitte die zweite, Nadja die dritte und Markus war unser Tontechniker.
Am 08. April konnten wir mit den ersten sing-Aufnahmen starten, von denen dann noch – ich glaube – drei weitere folgten. Es war ein tolles Erlebnis. Es war anstrengend weil es viel Konzentration und Geduld erforderte, aber wir hatten auch ganz viel Spass dabei.

„Die Waldstätter“ - das ist die Grafikagentur, die für mich das CD-Cover gestaltet hat. Auch das war für mich sehr interessant mitzuverfolgen. Der Grafiker nahm meine Wünsche und Anregungen entgegen und präsentierte mir eine CD-Hülle die ich mir nicht besser hätte vorstellen können.

Auch die Zusammenarbeit mit der Produktionsfirma war spannend. Ich war echt froh um die Sachbearbeiterin, die mir geduldig alle Fragen beantwortet hat, sei es per Telefon oder E-Mail (und es waren einige Fragen, denn ich hatte von all dem ja keine Ahnung).

Ich hatte auch verschiedene andere Ansprechpersonen um die ich heil froh war. Denn es gab so vieles das ich nicht wusste…Fachausdrücke die mir unbekannt waren…Urheberrechts Angelegenheiten…SUISA Mitgliedschaft…etc.

Und nebenbei immer und immer wieder die Lieder von vorne nach hinten durchhören, jedes Instrument einzeln heraushören und abschätzen ob es lauter oder leiser klingen soll. Aber auch da war ich ja zum Glück nicht allein. Ich konnte mich auch auf die guten Ohren meines Musikteams verlassen.

Und jetzt ist das Endprodukt da – die CD. Und ich bin dankbar und berührt, dass ich die Möglichkeit hatte, dieses Projekt zu realisieren und dass mich verschiedene Menschen dabei unterstützt haben – nicht zuletzt meine Mitschwestern! Ein grosser Dank an alle!!

Wenn ich nun euer Interesse an der CD geweckt habe, dann hört doch mal rein:  Hörproben

Oder ihr könnt sie natürlich auch bei mir bestellen: CD bestellen




© 2018 Die Waldstätter
Grüsse an euch alle!
© 2018 Die Waldstätter
Sr. Lea



Samstag, 14. Juli 2018

Hugo und ich

Heute erzähle ich euch von Hugo…

Hugo ist mein Freund. Obwohl das Wort „Freund“ schon eine etwas engere Beziehung bezeichnet und so eng ist sie nun doch nicht.
Hugo ist braun (passend zu meinem kapuzinischen Kleidungsstil), er hat acht Beine und einen Durchmesser von ca. 6cm. Hugo ist ein – wie wir es bei uns in der Schweiz nennen – Zimmermann. Er ist eine Spinne und – in meinen Augen - doch nicht so ganz. Ich mag nämlich Spinnen nicht überaus gerne. Ich würde mal sagen, ein Zimmermann ist eine tolerierbare Spinne.

Vor ungefähr einem Monat habe ich ihn entdeckt in meinem Zimmer. Er hat sich’s in der Ecke vorne links gemütlich gemacht. Ich wollte ihn nicht vertreiben…ob es an meinem grossen Herz für Tiere lag oder daran, dass es mich ein bisschen gegraust hätte ihn anzufassen…ich bin mir da selber nicht so ganz im Klaren.
Trotzdem habe ich mal unauffällig mit ihm Kontakt aufgenommen und ihm gesagt: „Wenn du dort oben bleibst und keine Wanderschaften durch mein ganzes Zimmer unternimmst, dann darfst du bei mir wohnen.“ So blieb er mehrere Tage dort. Als ich dann einmal im Verlauf des Vormittags ins Zimmer kam, da wollte der Zimmermann meine Grenzen testen. Er hockte nämlich nun in der Ecke, hinten links und das war direkt oben bei meinem Bett. Damit war ich nicht einverstanden und das habe ich ihm auch gesagt: „Hör mal…die Abmachung war, dass du in der Ecke vorne sein darfst. Wenn das nicht klappt, dann haben wir nicht zu zweit Platz in diesem Zimmer. Also wenn ich du wäre, dann würde ich aber auf dem schnellsten Weg wieder an deinen Platz.“
Am Abend war er dann wieder an Ort und Stelle und da durfte er Weilen.
Anfang Juni war ich dann eine Woche in den Ferien und als ich zurückkam, war der Zimmermann tatsächlich noch da. Das brachte mich zu einem Schmunzeln und ich habe ihn für seine und meine Tapferkeit zu meinem neuen Haustier auserkoren. Mitte Juni hatte ich dann noch einmal eine Woche Ferien und ich dachte, er würde wohl in der Zwischenzeit ausziehen. Dem war nicht so. Als ich zurückkam, fand ich ihn an seinem gewohnten Platz.
Ich habe ihn für seine Ausdauer belohnt und gesagt: „Okay, wenn du dich also entschieden hast, bei mir zu bleiben, dann sollst du immerhin auch einen Namen haben.“ So habe ich mich entschlossen, ihn Hugo zu nennen.
Inzwischen habe ich Wikipedia gefragt, wie lange so ein Zimmermann leben kann. Da habe ich erfahren, dass die bis zu drei Jahren Lebensdauer haben können.
Ich weiss nicht, wie lange Hugo bei mir bleiben möchte (ich weiss ja auch nicht wie alt er bereits ist). Jedenfalls unternimmt er gerne ab und zu kleinere Ausflüge und da ist er paar Tage weg, bis er dann irgendwann wieder auftaucht.
Im Moment ist er gerade auch nicht da. Vielleicht ist er in die Sommerferien ins WC, denn da befindet sich ein sehr Hugo-ähnlicher Zimmermann. Oder vielleicht ist er auch endgültig bei mir ausgezogen. Wir werden sehen…

Liebe Grüsse
Sr. Lea

Montag, 11. Juni 2018

Bei uns zu Gast - ein Gastbeitrag

Am 25. Mai, durfte ich Mirjam an unserer Klosterpforte begrüssen. Da sie bis Ende Juni bei uns zu Gast ist, habe ich sie angefragt, ob sie sich vorstellen könnte, sozusagen einen Gastbeitrag auf dem Blog zu schreiben. Es freut mich, dass sie dazu bereit ist zu erzählen wie es ihr in unserer Mitte geht und was sie erlebt. Herzlichen Dank, Mirjam!


Mirjam:

„Stans“ erscheint es auf dem Monitor und mein Herz schlägt etwas schneller. Ich bin sehr aufgeregt, habe keine Ahnung, was mich gleich erwarten wird im Kloster St. Klara. Dann endlich hält der Zug an. Schwer beladen zücke ich mein Smartphone um mein GPS einzuschalten. Und tatsächlich – nach einem kurzen Fussmarsch stehe ich vor einem grossen Gebäude mit einer alten Klingel. Nach kurzem Durchatmen ziehe ich sanft daran. Nichts passiert. Die Aufregung steigt. Ich ziehe fester daran, und kurz darauf öffnet sich die Tür.

Bei einem Tee aus dem Klostergarten und ein paar süssen Gebäcken sitze ich mit Sr. Lea und Sr. Sabine zusammen in einem grossen Raum. Dem Anschein nach ist es der Speisesaal. Es ist etwas dunkel darin und irgendwie komme ich mir gerade etwas klein und verloren vor und traue mich zuerst fast nicht, von den feinen Gebäcken zu kosten. Etwas ahnungslos frage ich während des Plauderns mit den beiden Schwestern nach dem Tagesablauf hier im Kloster. Sr. Lea stellt ihn mir vor. Darunter 5 Gebetszeiten jeden Werktag.

Erwartungsvoll steige ich die knarrenden Holztreppen empor und die ebenso laut knarrenden Gänge entlang. Im zweiten Stock angelangt darf ich zwischen zwei Zimmern wählen. Das eine ist etwas grösser mit Blick in den Innenhof, das zweite ist etwas kleiner mit Blick auf die Stanser Hügel und in den grossen Klostergarten. Ich nehme das zweite Zimmer und bekomme von Sr. Sabine sogar noch eine Namenstafel an die Zimmertür geklebt mit meinem Namen und einem Schmetterling. Dass mich das Symbol des Schmetterlings schon seit längerem begleitet auf meinem Glaubensweg, erzähle ich ihr nicht. Nicht jetzt. Vielleicht später einmal wenn ich sie etwas besser kenne. Ich sehe mich in meinem Zimmer um. Es hat ein Bett, eine Art Nachttische, ein Pult, einen Schrank und zwei Stühle – und ein Lavabo mit Spiegel. Nach allem was ich bis jetzt über das Kloster gehört habe, ist mein Zimmer dagegen geradezu luxuriös eingerichtet. Es gleicht weder einer Gefängniszelle noch einer alten Besenkammer. Im Gegenteil: es lässt sich gut darin wohnen.

Es ist 17:15 Uhr, die Vesper beginnt gleich. Etwas unruhig sitze ich auf meinem Platz. Gleich geht es los, denke ich, und schaue mich in der Klosterkapelle um. Vorne ein grosses Kreuz mit einem Corpus daran. Unten sechs goldene Kerzenständer mit langen weissen Kerzen. Wir beten und singen Psalmen, wir knien, wir stehen, wir sitzen und wir suchen alle nach Gott. Ob er unser Suchen sieht?, frage ich mich und währenddessen erklingen auch schon die nächsten Töne aus der Orgel. Kann ich mir so ein Leben vorstellen? Ich sehe all diese Schwestern mit der bekennenden Klosterbekleidung und der langen Kopfbedeckung. Alle haben sie ein Versprechen abgelegt, hier zu bleiben und hier zu leben. Ich für mich weiss es nicht. Noch nicht. Doch ich werde es herausfinden.
Es gibt Abendessen im Kloster St. Klara. An meinem Platz steht ein Willkommens-Schild mit meinem Namen darauf. Sr. Sabine stellt mich den Schwestern noch persönlich vor. Ich bin hier willkommen – das merke ich sofort.



Das ist jetzt schon eine ganze Weile her. In dieser Zeit habe ich viel erlebt und kennengelernt über das Klosterleben.
Der Tag beginnt um 7:00 Uhr mit der Laudes. Ungern und noch etwas verschlafen trenne ich mich jeweils von meiner warmen und kuscheligen Decke, und mache mich bereit für den Tag. Manchmal bin ich ganz froh, wenn ich in der Laudes einfach still da sein und den Gesängen lauschen darf. Anschliessend gibt es Frühstück. Noch etwas ungewohnt war am Anfang für mich, dass währenddessen geschwiegen wird. Doch habe ich mich schnell daran gewöhnt. Und wenn ich ganz ehrlich bin, bin ich froh, dass ich am Morgen früh nicht schon viel sagen muss. Während ich den letzten Schluck meiner Ovo austrinke, freue ich mich darauf, mich nach dem Frühstück noch einmal etwas hinlegen zu können bis der Morgen in der Küche für mich beginnt.
Pünktlich um 9:00 Uhr stehe ich mit meinem blau-weiss gestreiften Schürzchen in der Küche. Ich wasche das Geschirr vom Frühstück ab und beginne mit den Vorbereitungen für das Mittagessen. Dazu gehört fast immer das Waschen des Salates aus dem Klostergarten und der rot leuchtenden Erdbeeren. Welch ein Luxus, jeden Tag frische Erdbeeren servieren zu dürfen… Gemeinsam mit Schwester Franziska bereite ich ein leckeres Mittagessen vor. Heute gibt es gefüllte Eier mit einer selbstgemachten Maionnaise. Mit grossen Augen frage ich Schwester Franziska wie man denn selber Maionnaise herstellen kann, während ich zwei rohe Eier aufschlage um das Eigelb vom Eiweiss zu trennen. Ich sehe ihr gespannt dabei zu während ich die dicken und bereits geschälten Eier halbiere und das Eigelb herausnehme. Als die Maionnaise fertig ist, nehme ich einen Spritzsack hervor und wir füllen die gelbe, schimmernde Masse in die gekochten Eiweisse und den Resten der Masse füllen wir in zwei Gefässe. Sie sind als Sauce zu den Kartoffeln gedacht - und schmeckt ausgezeichnet.
Ich habe hier im Kloster auch gelernt, wie man Herz-Jesu-Krapfen bäckt. Eines Nachmittags habe ich mit Schwester Franziska zusammen vier Bleche solcher Kunstwerke angefertigt. Sie sind sehr aufwändig und extrem schön zum Anschauen – und natürlich lecker zum Essen. Mit dem wundschönen Herz-Jesu-Aufdruck sieht man diesen Kräpfchen an, dass es sich dabei um eine Klosterspezialität handeln muss. Als wir sie gestern gebacken hatten, durfte ich mir ein paar davon aussuchen und auf mein Zimmer nehmen. Gut verpackt in eine Box warten sie geduldig auf den Besuch meiner Eltern und meines Bruders.

An einem anderen Nachmittag haben wir gemeinsam Änis-Kekse gebacken. Auch hier haben wir wieder Muster in die Kekse gestanst. Jedoch sind die Änis-Kekse im Gegensatz zu den Krapfen nicht mit einer Nussfüllung versehen. Unter den vielen kleinen Änis-Keksen sind auch ein paar grosse dabei – schöne grosse Änisherze, welche ich an meine Liebsten verschenken werde.

Der Nachmittag wird dann wieder mit einem Gebet geschlossen, mit der Vesper. Diese findet jeweils vor dem Abendessen statt. Und nach dem Abendessen treffen wir uns jeweils in der Kapelle fürs letzte Gebet am Tag, dem Komplet.

Hier im Kloster St. Klara habe ich nicht nur viele kulinarische Dinge erlebt und gelernt, ich habe auch als Mensch viel dazugelernt. Momentan befinde ich mich in einem Zwischenjahr zwischen Matura und Studium. Es war schon immer ein Wunsch von mir, einmal in einem Kloster eine gewisse Zeit lang mitleben zu können und den Klosteralltag kennenzulernen. Diese Gelegenheit habe ich nun bekommen. Anfangs hatte ich etwas Mühe mit den vielen Gebetszeiten. Noch nie habe ich so viel gebetet wie hier im Kloster. Und am Anfang fand ich es ganz schön viel, fünfmal am Tag zu beten. Doch habe ich mich schnell daran gewöhnt. Und inzwischen kann ich das Gebet sogar geniessen. Auch die Atmosphäre hier im Kloster finde ich sehr schön und harmonisch. Ich wurde sehr herzlich aufgenommen und empfangen. Und es ist ein wunderbarer Ort, um zur Ruhe zu kommen und über das Leben nachzudenken. Ich fühle mich hier wohl und werde sicher auch noch bis Ende Juni da bleiben. Dann sehe ich weiter.

Mirjam Lütolf


Freitag, 23. März 2018

Gesät ist die Hoffnung

Liebe Leserinnen
Liebe Leser

Vor ein paar Tagen bekam ich per Whats App den Spruch zugeschickt: „Ich spüre das Tier in mir….es ist ein Faultier“ – ich musste ziemlich schmunzeln als ich das las und fand den Spruch recht passend, besonders wenn ich daran denke wie lange mein letzter Blogeintrag zurückliegt. Nein, ich habe dem Blog natürlich nicht den Rücken gekehrt, ich habe mich lediglich dem Tier in mir ergeben.

Jetzt sitze ich mit meinem Laptop auf einer Bank in der Frühlingssonne. Ja ich war der Ansicht, dass es doch ziemlich öde ist, im Büro zu sitzen, wenn ich schon die Gelegenheit habe das Büro an die frische Luft zu transportieren. Die Sonne wärmt und die frische Frühlingsluft ist wohltuend. Der Nachteil ist, dass ich den Bildschirm nicht so sonderlich gut sehen kann, weil mich die Sonne etwas blendet. Aber als vorhin eine Wolke vorüberzog, fand ich es auch nicht besser – im Gegenteil. Niesen muss ich auch ab und zu. Aber zum Glück nicht weil ich erkältet wäre, sondern weil ich mich zu den sogenannten „Sonnen-Nieser“ zähle. Man nennt diese Phänomen auch Photischer Niesreflex, wie mir Wikipedia erzählt hat. Von daher ist es immer ein verheissungsvolles Zeichen, wenn ich niesen muss.

Heute Morgen hatte ich ziemlich Ärger mit dem Homepage-Programm, dieses ist gestern Abend nämlich abgestürzt als ich unsere Homepage aktualisieren wollte und nun habe ich keinen richtigen Zugriff mehr darauf. Fast den ganzen Morgen habe ich verplempert, eine Lösung zu suchen, mit dem Ergebnis, dass ich nun trotzdem den Computerfachmann brauche für dieses Problem – tja, das gab meinem Ego einen kleinen Knicks ;-)

Am vergangenen Wochenende, fand das „Wochenende in der Klostergemeinschaft“ statt (hätte ich die Homepage aktualisieren können, so wären jetzt Fotos aufgeschaltet…aber eben…zu einem späteren Zeitpunkt dann). Vier Frauen haben mit uns dieses Wochenende geteilt und wir waren unterwegs mit dem Thema „Gesät ist die Hoffnung“. Dazu gab es biblische Einheiten, malerische/gestalterische Vertiefung, Gebets- und Essenszeiten mit der ganzen Gemeinschaft, Austausch in der Gruppe, Zeiten der Stille…um hier einige Punkte zu nennen. Das Ziel dieser Wochenendangebote ist, den Frauen einen Rahmen zu ermöglichen, in dem eine kurze Auszeit von der Hektik des Alltags möglich wird, einen Raum, der Platz bietet, sich mit sich selber und seiner je eigenen, persönlichen Beziehung zu Gott auseinander zu setzen.

„Gesät ist die Hoffnung“ – ich finde es ein passendes Thema im Hinblick auf die bevorstehende Osterzeit. Eine Aussage die mich in den letzten Tagen auch sehr bewegt, ist folgende:
„Die Erfahrung, dass aus einer Wunde ein Wunder werden kann.“ (Aus dem Buch „Shibashi“ von Barbara Lehner und Antoinette Brem). Das wäre für mich eine treffende Kurzfassung vom Ostergeheimnis.

Ich trage diese Aussage in die kommende Karwoche hinein und hindurch, bis zu Ostern hin und wünsche euch allen noch eine gute Zeit auf dem Weg nach Ostern und darüber hinaus.

Bis bald!
Sr. Lea

Dienstag, 23. Januar 2018

Der Festtagsgruss

Es ist kurz vor acht Uhr morgens. Während ich hier am PC sitze, unterstützen mich Alphornklänge und Vogelgezwitscher im Denken. Obwohl ich mir nicht so ganz sicher bin ob es mein Denken wirklich in den Fluss bringt oder mich doch eher ablenkt. Aber immerhin bietet mir diese Musik Gesprächsstoff und ich möchte euch gerne erzählen warum im Kloster um diese Uhrzeit an einem gewöhnlichen Mittwochmorgen Alphornklänge zu hören sind.

Also so ganz gewöhnlich ist eben der heutige Mittwoch nicht. Denn diese Klänge sind immer ein Zeichen dafür, dass wir etwas feiern.
Unsere bald 95- jährige Mitschwester hat einen kleinen Kassettenrekorder (und eine Vorliebe für Alphornmusik). Weil sie am Morgen durch ihr stattliches Alter etwas länger Zeit braucht, kommt sie am Morgen nicht mit uns an den Tisch zum Frühstück, sondern sie nimmt es im Zimmer zu sich. Dies bietet ihr die Gelegenheit, auf ihre Art und Weise ein Fest anzukünden. Sie deponiert ihren Rekorder fein säuberlich auf ihrem Rollator vor dem Zimmer, im Gang. Die Lautstärke wird dann hochgeschraubt bis es nicht mehr geht, damit es auch im ganzen Kloster zu hören ist und…“Play“.
Ja und dann wird die Kassette durch „gedudelt“.
Gerade stelle ich fest, dass die Musik aufgehört hat…verhältnismässig früh. Vielleicht hat sie sich entschieden, heute nur mal die eine Kassettenseite abzuspielen.
Ach ja und ihr fragt euch bestimmt, was wir denn heute feiern. Heute ist der Gedenktag des Hl. Franz von Sales, deshalb feiert unsere Sr. Salesia ihren Namenstag.

Nun sind wir gespannt, zu welchem Anlass die Alphornmusik das nächste Mal erklingen wird.

Euch allen wünsche ich einen guten Mittwoch!

Liebe Grüsse
Sr. Lea